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Schnelle Hilfe aus der Luft

Hoffen auf Entlastung durch die neue Technik : Die Mitarbeitenden der Rettungswache Weißenburg (vl. Laura, Lilli, Patrick und Hanna) gemeinsam mit Projektleiter Markus Dengler Foto: David Berger

Innovatives Projekt im Rettungsdienst des BRK Südfranken

Der BRK Kreisverband Südfranken geht neue Wege in der Notfallversorgung: Am heutigen Mittwoch, 1. April startet in der Region ein innovatives Pilotprojekt, bei dem Drohnen zur schnellen Lagebeurteilung an Notfallstellen entsandt werden.

Ziel des Projekts ist es, bereits wenige Minuten nach Eingang eines Notrufs ein erstes Lagebild zu erhalten. Hierzu werden speziell ausgestattete Drohnen von der Integrierten Leitstelle aus gesteuert. Die Fluggeräte verfügen über hochauflösende Videokameras, Mikrofone und Lautsprecher, sodass eine direkte audiovisuelle Kommunikation mit Patientinnen und Patienten möglich ist.

Die übertragenen Bilder werden in Echtzeit in der Leitstelle ausgewertet – unterstützt durch moderne KI-basierte Analyseverfahren, die beispielsweise Vitalzeichen visuell interpretieren oder kritische Situationen frühzeitig erkennen können. So kann das Fachpersonal eine fundierte Entscheidung treffen: Ist ein Rettungswagen erforderlich oder kann der Patient zunächst an den Hausarzt verwiesen werden?

„Gerade in stressigen Situationen neigen Anrufer verständlicherweise dazu, die Lage dramatischer zu schildern, als sie sich dann vor Ort herausstellt“, erklärt hierzu Projektleiter Markus Dengler. „Mit unserer Drohnentechnologie bekommen wir ein objektives Bild – im wahrsten Sinne des Wortes.“

Neben der verbesserten Lageeinschätzung trägt das Projekt auch den zunehmenden Fachkräftemangel im Rettungsdienst Rechnung. Durch die gezielte Disposition von Einsatzmitteln können Ressourcen effizienter eingesetzt werden. Gleichzeitig ergeben sich wirtschaftliche Vorteile: Bei aktuellen Dieselpreisen von rund 2,20 Euro pro Liter lassen sich durch vermiedene Fehleinsätze erhebliche Kosten für das Gesundheitswesen einsparen.

Gefördert wird das Projekt mit 50.000 Euro durch mehrere Krankenkassen sowie das Gesundheitsministerium und knüpft an bestehende digitale Innovationen wie den Telenotarzt an. Damit präsentiert sich der Rettungsdienst in Südfranken einmal mehr als Vorreiter bei der Integration moderner Technologien im Gesundheitswesen.

Neben Einschränkungen durch witterungsbedingte Einflüsse im Flugbetrieb bestehen zudem noch rechtliche Herausforderungen: Der Einsatz von Drohnen über bewohntem Gebiet ist nur eingeschränkt zulässig. Für das zunächst auf zwölf Monate befristete Projekt konnte im Benehmen mit den zuständigen Behörden eine „vorläufige Aufstieggenehmigung für unbemannte Fluggeräte A38“, so der sperrige Begriff, erwirkt werden. Sollte es allerdings zu Beschwerden aus der Bevölkerung kommen, müsste der Probebetrieb kurzfristig eingestellt werden.

„Wie überall gilt auch hier: Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt“, kommentiert Dengler hierzu süffisant.

So werden beispielsweise als Zugeständnis beim Datenschutz keine exakten Einsatzadressen übermittelt, sondern lediglich Koordinaten nach dem Prinzip von What3Words. Dies führt allerdings dazu, dass eine Patientenbeurteilung innerhalb von Wohnungen derzeit nicht möglich ist. Kranke müssen – sofern es ihr Zustand erlaubt – selbstständig das entsprechende Planquadrat im Außenbereich aufsuchen, was insbesondere auch Angehörigen von bettlägerigen Patienten nicht immer zugemutet werden kann.

Interessierte Bürgerinnen und Bürger sind herzlich eingeladen, sich zum Projektstart am heutigen 1. April um 10:00 Uhr im BRK-Zentrum Weißenburg persönlich über die neue Technologie zu informieren und mit einer ranghohen Vertreterin aus dem Gesundheitsministerium ins Gespräch zu kommen
 

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